Jahresbericht 1999-2000


    Gerade rechtzeitig, zum Redaktionsschluss des Jahresberichtes, hatte ich als Präsidentin des Fördervereins die Gelegenheit, während eines zehntägi­gen Ferienaufenthaltes, mir die neue Liegenschaft, des Centre de Formation genauer anzuschauen und auch Mitarbeiter kennenzulernen.

    Bei nasskaltem, trübem Wetter fuhren wir am 3. September 2000 in den "hof­fentlich" sonnigen Süden. Wir, das sind 4 Krankenschwestern, darunter auch Regina Scherer, die Schwester des Gründers und des heutigen Leiters des Centre de Formation. Die Fahrt ging zügig voran und bereits gegen fünf Uhr abends kamen wir auf der Liegenschaft an. Es war schönstes Wetter nur blies der Tramontana zeitweise etwas heftig. Dieser Wind aus Nordwesten aber, so liessen wir uns aufklären, verhiess für die nächsten Tage weiterhin schönstes Wetter und entspricht dem Mistral im Rhonetal.

    Schon als wir aus dem Auto stiegen, verschlug es uns fast den Atem! Nein! Nicht wegen dem Wind, sondern wegen der einzigartigen Lage und der enor­men Schönheit des ganzen Anwesens. Es gibt sehr viele Orte, wo ich schon meine Ferien verbrachte, aber eine solche Idylle, eine solche Ruhe inmitten schönster Umgebung, sogar mit einem riesengrossen Schwimmbad, das habe ich doch noch nie gesehen.


Inmitten schönster Umgebung, ein Paradies


    Wir staunten nicht schlecht, welch ruhige und freundliche Atmosphäre herr­schte, angefangen von den Schülern bis hin zu allen Mitarbeitern. In einem ersten Rundgang wurde uns gezeigt, was in diesem ersten Jahr bereits allesrenoviert und hergerichtet wurde.

    Einzig und allein der Zustand von Gregor Scherer, dem Leiter des Centre de Formation trübte ein wenig unsere Freude am Ferienaufenthalt in Tautavel. Einmal mehr musste ich zur Kenntnis nehmen, dass er das letzte halbe Jahr kaum genügend Schlaf hatte, über einen längeren Zeitraum höchsten 3 bis 4 Stunden pro Tag, so dass er die ersten 3 Wochen des neuen Schuljahres für den Unterricht nicht zur Verfügung stand und ihm von ärztlicher Seite eine Zwangsruhepause verordnet werden musste.


Ein erschöpfter und müder Leiter des Centre


    Es war nicht nur die enorme Arbeitslast, wie: Unterricht, Administration, Bau­leitung, Gesamtleitung über den "Haushalt" wie: Kochen, Wäsche waschen, Einkauf und vieles andere mehr, wobei erwähnt werden muss, dass die Schüler/Innen stets tüchtig mithelfen, laut seiner Beteuerungen, sondern die enormen finanziellen Sorgen, die ihn unglaublich belasten! Wie ich hörte, steht er unter doppeltem Druck: Auf der einen Seite sind die Vorschriften der Behörden bezüglich Sicherheit und Hygiene und auf der anderen Seite fehlt die finanzielle Grundlage, um diesen Forderungen genüge zu leisten. Hinzu kommt, dass die wenigsten Schüler einen kostendeckenden Beitrag leisten können und durch eine allzu grosszügige Aufnahmepolitik alle Reserven des Baufonds für die Schüler aufgebraucht wurden. Der Förderverein erhält leider zu wenig Unterstützung, oder Spenden und Legate, um entsprechende Sti­pendien ausrichten zu können. Dies wäre aber dringend nötig, damit auch minderbemittelte Schüler sorgloser aufgenommen werden könnten.

    Ein Lichtblick war im vergangenen Vereinsjahr die provisorische Zusage fi­nanzieller Hilfe von einer Stiftung, die der pädagogischen Idee sehr nahe steht (stand). Diese Aussicht auf Hilfe veranlasste den Leiter, die wichtigsten und dringendsten Arbeiten, wie Ersetzen der alten leichten Türen durch feuerfeste, die Installation der geforderten Alarmanlage und vieles andere mehr in Auftrag zu geben.

    Gleichzeitig mit den Rechnungen kam aus unerklärlichen (oder besser unver­ständlichen Gründen) eine definitive Absage dieser Stiftung. Das Verhalten dieser Stiftung und die Gutgläubigkeit von Gregor Scherer brachte das ver­heissungsvolle Projekt einmal mehr an den Rand des Bankrottes. So musste ernsthaft daran gedacht werden, das Projekt aufzugeben und die einzigartige Liegenschaft, wofür es sehr viele Kaufinteressenten gibt, zu verkaufen. Gre­gor Scherer war zwar in grösster Sorge für seine anwesenden aber auch für alle künftigen Schüler, doch er meinte, das sei die Sprache des Schicksals und des Zeitgeistes. Man müsse sich zwar intensivst bemühen, aber viel­leicht sei die Zeit für soziale Aktivitäten vollends vorbei, was sich ja auch an der Haltung von vielen Sozial- und Jugendämtern bereits abzeichnet.

    Als Präsidentin des Fördervereins kann ich nur sagen: Nein, nie und nimmer darf dieses Projekt, das schon so vielen Schülern geholfen hat und ganz bestimmt noch viel mehr Schülern wird helfen können, aufge­geben werden!

    Nun, Gregor hatte es in nächtelangen Schreiben von Hilfsgesuchen einmal mehr geschafft, das Projekt vorerst in die nächsten Monate hinüberzuretten. Nicht ein "Geistesfreund" sondern ein Mensch mit Herz hatte die Not erkannt und war mit finanzieller Hilfe eingesprungen, damit wenigstens der Bankrott abgewendet werden konnte. Auf jeden Fall wird immer deutlicher, dass die Schüleraufnahmen nicht mehr so grosszügig wie bisher getätigt werden dür­fen.

    Ein ordentlicher finanzieller "Zustupf" ergab der Betrieb während den Som­merferien. Da waren einige Feriengäste, die sich im Centre erholten und da war der Betrieb des Schwimmbades mit "Konsumationszwang". Das heisst, alle auswärtigen Besucher die vom schönen Schwimmbad profitieren wollten, mussten einen "Bon de consommation" kaufen, damit der Betrieb und der Unterhalt des Schwimmbades finanziert werden konnte. Der Ueberschuss wurde zur Deckung des Defizits verwendet. Es wurden auch sehr viele Mit­tagessen, Snacks und Nachtessen verkauft, aber alle diese Arbeit musste zur Hauptsache einmal mehr vom Leiter selbst getragen werden. Es ist des­halb nicht erstaunlich, dass er zu Beginn des Schuljahres so erschöpft war, dass er nicht mehr konnte. Zum Glück waren genügend Mitarbeiter da, so dass der Schulbetrieb trotzdem aufgenommen werden konnte: Henner Kurth, Werklehrer und Plastiker, Britta Hackbusch, Lehrerin für Englisch und Mathe­matik, ein Arzt aus Kassel, der Menschenkunde gab, sowie 2 tüchtige Prakti­kantinnen. Für uns auswärtige Besucher war aber doch erlebbar, dass durch den Ausfall von Gregor Scherer dem Betrieb irgendwie die "Seele" fehlt, trotz grösstem und liebevollstem Bemühen seiner Mitarbeiter.


Hinweistafel zum Centre


    Ein Rundgang durch die Liegenschaft hat mir gezeigt, wie erstaunlich viel an Aufbauarbeit bereits geleistet wurde, in welch schöner Lage sich das Centre befindet und was für ein grosses Potential an Möglichkeiten vorhanden wäre. Wenn ich mir aber vorstelle, was alles noch zu renovieren ist, und welche Forderungen von Seiten der Behörden da sind, so muss auch ich mit grosser Sorge in die nahe Zukunft blicken. Ich wünsche mir deshalb als Präsidentin des Fördervereins, dass der Verein mehr Mitglieder und vor allem noch viel mehr Unterstützung bekommt, damit die ausstehenden Schulgelder nachbe­zahlt werden können und somit der leere Baufond wieder etwas Geld in der Kasse hat. Alle Spenden können als gemeinnützige Zuwendungen von den Steuern abgesetzt werden.

    Die Pionierphase des Projektes ist noch nicht vorbei und es muss alles daran gesetzt werden, dass der Verein zusammen mit den Schülerbeiträgen für ei­nen kostendeckenden Internatsbetrieb aufkommen kann. Es darf einfach nicht mehr am Baufond für die Renovationen gezehrt werden, ansonsten können die Arbeiten nicht fortgesetzt werden, was bedeuten würde, dass der Betrieb von den Behörden geschlossen wird.

    An dieser Stelle möchte ich aber auch allen Vereinsmitgliedern und Gönnern meinen tiefsten Dank aussprechen. Ohne die vielen kleinen, aber auch gros­sen bis sehr grossen Hilfen, wäre das Defizit viel höher ausgefallen und die fruchtbare Arbeit hätte schon längstens aufgegeben werden müssen.

    Im vergangenen Vereinsjahr durfte ein Zuwachs von 11 neuen Mitgliedern verzeichnet werden, so dass der Verein heute insgesamt 31 Mitglieder zählt. An der Jahresversammlung vom 19. August 2000 wurde zudem der Vorstand durch die Wahl von Herrn Michael Greh, Schaffhausen, auf vier Mitglieder er­weitert.

    Die nächste Jahresversammlung des Fördervereins wird voraussichtlich am Samstag, den 18. August 2001 in Zürich stattfinden.


Die Schüler sind im Centre so gut aufgehoben


Tautavel, 5. September 2000
Heidi Wäfler, Präsidentin des Fördervereins

Wir danken allen denjenigen Menschen ganz herzlich die mithelfen, dass diese so fruchtbare Arbeit mit den Schülern weitergehen kann.


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