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Ich kriegte Wut- und Heulanfälle
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Diese Zeit, die ich hier im Centre verbracht habe, war wohl
die lehrreichste in meinem bisherigen Leben. Ich kam erst im Januar
hierher, aber dieses halbe Jahr ging sehr rasch um. Wenn ich zurückblicke,
dann kann ich sehen, wie interessant die Zeit war und wie groß die
Fortschritte sind, die ich machen durfte. Mir war das während dieser Zeit
gar nicht so aufgefallen, wie krass man sich im Centre verändert, selbst
wenn man es gar nicht so unbedingt will. Doch ich sah bald ein, dass ich
etwas aus mir machen wollte, und heute will ich es ganz fest. Und ich
denke, ich habe mich auch sehr gebessert, im Sozialen wie in der Schule.
Besonders in der Schule werden langsam aber sicher immer größere
Fortschritte sichtbar. Dennoch weiß ich am Ende dieses halben Schuljahres,
dass mir ein weiteres halbes Jahr gut tun würde, denn dann sitzt der
schulische Stoff noch besser und ich wiederhole das, was nicht an mir
hängen geblieben ist. Doch jetzt möchte ich noch ein bisschen von diesem
halben Jahr berichten, von dem, was ich erlebt und was ich für Erfahrungen
fürs Leben gemacht habe.
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Auf der Fähre zwischen Gibraltar und Afrika
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Als mir meine Mutter eines Tages mitteilte, dass ich für ein
Jahr nach Südfrankreich ins «Centre de Formation» gehen soll, empfand ich
das als eine überhaupt nicht erfreuliche Nachricht. Im Gegenteil,
ich kriegte Wut- und Heulanfälle noch und nöcher, denn ich wollte um
keinen Preis von zu Hause weg. Nicht wegen meiner Mutter, denn mit ihr
hatte ich eh nicht so ein gutes Verhältnis. Mit ihr habe ich mich sehr oft
gestritten und sie meinte, ich solle in das Centre, weil ich nicht mehr
gehorchte und weil ich weg sollte von mich schlecht beeinflussenden
Kolleginnen und Kollegen. Da aller Trotz nichts nützte, fand ich mich
schließlich damit ab und versuchte das Ganze etwas positiver zu sehen. So
ging es denn am 10. Januar ab nach Südfrankreich, aber ich sah dieser Zeit
wirklich ohne viel Freude entgegen.
Doch schon auf der Fahrt, als ich die anderen Schülerinnen
und Schüler etwas kennen gelernt hatte, fand ich eigentlich alle sehr
sympathisch und ich dachte mir, vielleicht ist das alles ja doch nicht so
schlimm.
Am Anfang hatte ich etwas Mühe; ich fühlte mich nicht so
schnell zu Hause und es war auch recht schwierig, in eine Gruppe
hineinzukommen, die sich schon ein halbes Jahr kennt. Also, ich kam mit
zwei neuen Schülerinnen und der Rest war schon da. Doch dann ging es auf
einmal recht schnell, bis ich in der Gruppe integriert war. In den ersten
ein bis zwei Monaten hatte ich oftmals keine Lust auf das Hier sein. Ja,
ich fand es manchmal kotzlangweilig und alles gurkte mich an.
Wir hatten mit ein paar Ausnahmen einen festen
Tagesrhythmus. Am Morgen war Schule und am Nachmittag hatten wir
abwechslungsweise entweder Plastizieren oder Arbeiten auf dem
Gelände.
Bei beidem, sowohl bei der praktischen Arbeit als auch beim
Plastizieren, konnten wir sehr viel lernen. Durch das Arbeiten erlernten
wir viele handwerkliche Fähigkeiten und ich sah auch ein, dass wir dadurch
auch einen Beitrag an das Centre leisten konnten. Das Plastizieren jedoch
trug einiges zur inneren Reife bei und half einem, besser den Weg zum
eigenen Ich zu finden. Je mehr Zeit verstrichen war, desto mehr Spaß bekam
ich an der Arbeit und dem Plastizieren, denn wie ich bemerkt habe, stimmt
es tatsächlich, was Gregor immer wieder sagte, nämlich, dass wenn man sich
mit der Arbeit verbindet, diese nicht nur leichter von der Hand geht,
sondern dass man auch Spaß bekommen kann. Am Anfang hat mir das
Plastizieren, das Wühlen im Dreck, nie Freude gemacht. Es war eher eine
sehr lästige Arbeit für mich, doch später merkte ich, dass diese Arbeit
ganz viel zeigt von seinem tiefsten Inneren, und wenn man die Arbeiten vom
Anfang des halben Jahres mit denen von jetzt vergleicht, sieht man eine
recht krasse Veränderung. Vor allem als wir unseren Kopf gestalteten,
spürte man, was außen beim Kopf aus Ton nicht klappte, dass das, was man
immer wieder neu machen musste, sehr viel mit den eigenen inneren
Problemen zu tun hat, Problemen, die man immer wieder verdrängt hatte. Als
ich das entdeckte, begann ich Freude am Plastizieren zu bekommen, da ich
das sehr interessant fand.
Wir machten sehr viele schöne Ausflüge in Frankreich selbst,
aber auch nach Spanien. Das hatte mich so begeistert, dass ich gar nie
genug davon bekam. Ich finde es auch mega positiv, dass wir hier Tiere
haben, die im Laufe des letzten halben Jahres immer zahlreicher wurden. Es
ist nur schade, dass wir keine finanziellen Mittel haben, um den Tieren
einen ordentlichen Stall zu bauen oder ein anständiges Gehege
einzurichten.
Als besonderen Höhepunkt möchte ich auch die
Andalusien-Marokko-Reise noch erwähnen, denn die hat viele, ich denke
sogar alle ein großes Stück weitergebracht. Besonders die
Gruppenverhältnisse haben sich in diesen Wochen ins Positive verändert.
Für mich persönlich war diese Reise wunderschön und sie hat mich dazu
gebracht, viel über das Leben nachzudenken. Der große Gegensatz von
afrikanischen Verhältnissen zu unseren mitteleuropäischen und zum Teil die
große Armut waren beeindruckend. Als Souvenir durfte ich auf der Heimreise
durch Andalusien einen jungen mir zugelaufenen Straßenhund mitnehmen, mit
dem ich mich sehr glücklich zu schätzen weiß. Jetzt zum Schluss möchte ich
noch sagen, dass ich hier im Centre de Formation auf Menschen gestoßen
bin, die mir sehr geholfen haben und an mich geglaubt haben, und ich
wünsche mir für alle Jugendlichen, dass sie das auch erleben dürfen, um
solche wertvollen Erfahrungen zu machen.
Nathalie
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